Wie ist Gebärdenverse enstanden?
Die Wurzeln von Gebärdenverse liegen im Wiener Hackerspace Metalab, wo sich die Gründungsmitglieder Oliver Suchanek und Franz Steinbrecher im Rahmen des zwei-jährigen Projekts “MACH’S AUF!” kennengelernt haben. Dort entdeckten sie eine gemeinsame Begeisterung für Werkzeuge wie Lasercutter, 3D-Drucker, Plotten sowie für Kunst und Accessibility.
Es gab den Wunsch, die Aktivitäten und Projekte aus der Metalab-Zeit auf eine strukturierte und nachhaltige Basis zu stellen. Aus diesem Engagement heraus entstand der Verein für Kunst, Kultur, Bewegung und Gebärdensprache – Gebärdenverse, mit Sitz in Wien. Der Verein wirkt gemeinnützig im Bereich Taube Kultur, Österreichische Gebärdensprache (ÖGS), kultureller Teilhabe und inklusiver Projektgestaltung.
Was sind die Werte von Gebärdenverse?
Unsere Arbeit ist getragen von einem klaren Werteverständnis, das unsere Projekte und unser Miteinander prägt:
- Deaf-First und Community-Fokus – In erster Linie arbeiten wir nicht für, sondern mit der Tauben und Taubblinden Communites. In zweiter Linie stärken wir die ÖGS-Community als vielfältigen Raum von Sprach- und Kulturerfahrungen (immer mit Blick auf Machtverhältnisse, Teilhabe und Selbstvertretung).
- Accessibility/Zugänglichkeit – Ist für uns keine Sonderlösung, sondern ein Grundprinzip.
- Sprache ist Macht – Wir setzen uns für den respektvollen, bewussten Umgang mit ÖGS ein.
- Offenheit und Fehlerkultur – Für Kollaboratives Arbeiten, konstruktives Feedback und fortlaufendes Lernen. Für uns ist wichtig, dass wir in einer positiven Fehlerkultur leben, wo wir aus Fehlern lernen und nicht dafür verurteilt werden.
- Kritisch und kreativ – Wir hinterfragen bestehende Normen und Traditionen. Daraus entwickeln wir neue Wege, wie Wissen, Kunst und Technik accessible gestaltet werden können.
Was sind die Ziele von Gebärdenverse?
Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der Taube Menschen, ihre Sprache, Geschichte und Kultur nicht nur mitgedacht, sondern aktiv und selbstbestimmt gestaltet werden. Unsere Arbeit ist getragen von einer klaren Haltung gegen audistischen Strukturen, gegen Tokenisierung und gegen die Vereinanhmung von Gebärdensprachen durch hörende Institutionen ohne tiefere Auseinandersetzung mit den Tauben Perspektiven.
Konkret verfolgen wir folgende Ziele:
- Die Sichtbarkeit der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) stärken
– nicht als reines Inklusionsinstrument, sondern als eigenständige, vollwertige Sprache, die untrennbar mit der Tauben Kultur und Communitys verbunden ist. - Barrieren abbauen, die Tauben Menschen systematisch ausschließen, sei es in Kunst, Bildung, Medien oder Alltag.
– Wir setzen uns für accessible Zugänge ein, die nicht von oben herab gestaltet, sondern gemeinsam mit betroffenen Personen entwickelt werden. Dabei verstehen wir Accessibility nicht als technische Lösung, sondern als soziale Verantwortung und strukturelle Frage. Unsere Maßnahmen richten sich gegen hörzentrierte Systeme, die Taube Menschen an den Rand drängen oder ihnen nur dann Raum geben, wenn es hörenden Interessen dient. - Kunst und Medienproduktion in ÖGS fördern
– als Ausdrucksform, Empowerment-Instrument und widerständige Praxis. Wir schaffen Räume, in denen Taube Kreativität sichtbar und wertgeschätzt wird.
- Wissensräume schaffen, die Taube Perspektiven und Expertise ernst nehmen
– Wir dokumentieren, teilen und fördern Wissen, das aus den Tauben Communities selbst kommt, sei es in ÖGS, künstlerisch-performativ oder wissenschaftlich. Für uns ist eine Open-Source-Philosophie wichtig, das heißt, Wissen wird transparent und offen weitergegeben und zur freien Nutzung gestellt.
- Kritische Lernräume ermöglichen
– in denen verschiedene Erfahrungen, Identitäten und Perspektiven respektvoll aufeinandertreffen. Wir fördern Austausch, in dem Machtverhältnisse benannt und reflektiert werden, statt marginalisierte Stimmen zu vereinnahmen. Unser Ziel ist es, Ver_Lernen zu ermöglichen, auch für hörende Menschen, die bereit sind zuzuhören, zu dezentieren und Verantwortung zu übernehmen. - Macht- und Normstrukturen sichtbar machen und herausfordern
– sowohl innerhalb der Mehrheitsgesellschaft, als auch innerhalb der Tauben Communitys und in unseren eigenen Arbeitsprozessen. Wir verstehen Inklusion nicht als Einladung in bestehende Räume, sondern als kollektive Auseinandersetzung mit Strukturen, die Exklusion überhaupt erst ermöglichen. Unsere Arbeit bleibt lernend, selbstkritisch und solidarisch. Wir haben den Anspruch, Strukturen zu verhändern, nicht nur Inhalte zu gestalten.