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Sprache als Machtmittel

     Slide 1: Im Bild ist eine junge weiße Person mit kurzem, blonden, leicht unordentlich gestyltem Haar. Die Person trägt ein schwarzes T-Shirt und hat einen ernsten, fast nachdenklichen Gesichtsausdruck. Ihre Fäuste sind leicht angespannt und in die Höhe gehalten. An ihrem linken Handgelenk ist ein kleines Tattoo zu erkennen. Unten im Bild ist ihr Name „Caroline Obermaier“ sowie die Bezeichnung „Angehende Sozialarbeiterin“ zu lesen. Über ihrem Kopf steht in großen, hellen Buchstaben der Titel „Sprache als Machtmmittel“. Der Hintergrund ist ein einfarbiges, mattes Olivgrün.

    Viele Taube Menschen berichten, dass sie sich im Aktivismus oft zurückhalten; nicht, weil ihnen die Haltung fehlt, sondern weil Sprache zur Barriere wird. Der Fokus auf „gebildete“ Ausdrucksweise, komplexe Sprache oder rhetorische Schlagfertigkeit grenzt aus.

    ÖGS (Österreichische Gebärdensprache) ist eine vollständige Sprache. Taube Perspektiven sind wertvoll. Wenn wir uns über Inklusion austauschen, müssen wir auch über Sprache als Machtmittel reden.

    Zu dem Thema haben wir zusammen mit Caroline Obermaier (sie/ihr) den Austausch eröffnet. Das Video ist in Österreichischer Gebärdensprache, mit deutschem Transkript eingeblendet.

    Transkript als Text:


    Ich nehme wahr, dass aktuell auf Social Media verstärkt Beiträge und Themen zum Aktivismus erscheinen. Auch fällt mir auf, dass Sprache einen großen Einfluss hat. Wie meine ich das?

    Oft sind die Beiträge in komplizierten Sätzen verfasst oder verwenden akademische Konzepte, die ebenfalls schwer verständliche Fachbegriffe enthalten. Dadurch wirken sie nicht klar und sind wenig zugänglich. Darum will ich mit euch über das Thema austauschen.

    Sprache hat auch einen großen Einfluss auf Taube Personen. Sie kann dazu führen, dass man sich zurückzieht, unsicher wird, sich überfordert fühlt oder glaubt, nicht mithalten zu können. Was ist der Grund, dass man sich zurückzieht? Durch bestehende Strukturen und die historische Erfahrung von Ausgrenzung. Stets wurden Taube Personen ausgeschlossen, ignoriert und nicht ernst genommen.

    Was ist die Begründung? “Ihre Sprache sei nicht gut genug.”

    Das beeinflusst heute noch viele Taube Personen. Sie sind sich unsicher, ob sie etwas ausdrücken “dürfen”. Mir ist auch aufgefallen, dass mein Austausch mit anderen manchmal schwierig ist, weil die Sprache nicht immer gleich zugänglich ist. zB. Ich habe durch mein Studium einen anderen Zugang.

    Deswegen ist wichtig, sich darüber bewusst zu werden und zu reflektieren.

    Wenn du hörend bist – besonders als Dolmetscher*in oder mit Tauben Personen zusammenarbeitest – ist es sehr wichtig, dir bewusst zu sein: Achte auf den Inhalt und versuche, die Perspektive von ihnen zu verstehen und anzunehmen. Genauso braucht es Raum, um sich ausdrücken zu können.

    Liebe Taube Communities: Unabhängig von Sprachbenutzung, eure Gedanken, Meinungen, Perspektiven, … sind sehr wichtig und wertvoll! Wenn da ein Thema aufploppt: Sei ein Teil des Austausches!

    Wir fordern: Schaue auf den Inhalt, nicht von Grammatik oder von sonstigen Formulierungen ablenken lassen. Auch sollen komplexe Begriffe oder Konzepte genau erklärt und beschrieben werden. Besser noch: Je klarer der Inhalt, umso zugänglicher ist dein Aktivismus.

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